Usinger Anzeiger  - Wehrheim 19.03.2015

 

Wenn der Applaus einfach raus muss

Foto: Schmah-Albert

KONZERT ... stehen exzellente Musiker auf der Bühne: Saxofon-Quartett Kolibri begeistert mit Auftritt in der Limesschule

 

WEHRHEIM - (isa). Man müsse es den Wehrheimern bitte nachsehen, dass sie auch zwischen den einzelnen Sätzen eines Stückes applaudieren. „Es ist die pure Begeisterung, die sie auf diese Art einfach unbedingt loswerden mussten“, wandte sich Mark Opeskin beinahe entschuldigend an die vier Saxofonisten des Kolibri-Quartetts auf der Bühne in der Mensa der Limesschule im Anschluss an ein offensichtlich mitreißendes Matinee-Konzert. Veronika Hanrath (Alt-Saxofon), Simon Hanrath (Tenor-Saxofon), Moritz Thiele (Bariton-Saxofon) und Mikalai Zastsenski (Sopran-Saxofon) als Leiter des Quartetts hatten eindrucksvoll die große klangliche Vielfalt und musikalische Bandbreite der Saxofone gezeigt.

 

Zu Beginn bot das Quartett einen Satz aus dem italienischen Konzert Johann Sebastian Bachs, das der Barock-Komponist einst als Klavierstück komponierte hatte. Auch Vivaldis weltberühmter Frühling aus den „Vier Jahreszeiten“ klang so erfrischend anders und doch so vertraut, als statt des ursprünglichen Geigensolos nun das Sopran-Saxofon zart und doch kraftvoll den Frühling musikalisch beschrieb. Das war der Moment des ersten Applauses zwischen zwei Sätzen; das Publikum wollte nicht erst das Ende der drei Sätze abwarten, um seine Begeisterung zeigen zu dürfen. Nicht dass das Publikum unkundig wäre, ganz im Gegenteil: Die Besucher der Sonntags-Matineen der Musikschule Wehrheim sind Musikkenner und exzellente Konzerte gewöhnt. Schließlich bewiesen die Organisatoren in der Vergangenheit stets ein gutes Gespür für hochkarätige Besetzungen und außergewöhnliche Programme.

 

So auch dieses Mal. Das Kolibri-Quartett gab ein Konzert der Extraklasse und vielen Besuchern gefiel es, dass die klassischen Stücke mit dem doch noch relativ jungen, vom Belgier Adolphe Sax im Jahre 1840 erfundenen Instrument interpretiert wurden. Aber auch die moderneren Stücke kamen sehr gut an. So schmeichelte sich beim Satz „Green“ von Barbara Thompson das Sopran-Saxofon ganz weich und mit sanften Tönen ein, passte sich dem Bass-Schema der drei anderen Saxofone an, bis schließlich die musikalische Interaktion aller vier eine Steigerung und Vielfalt in den Variationen des Grundthemas zeigte, nur um sich beim darauffolgenden Satz „Yellow“ kurz und intensiv mit jazzigen Elementen zu präsentieren. Spätestens beim letzten Stück „Ulla in Africa“ von Heiner Wilberny waren die Liebhaber des Saxofons vollends mitgerissen. Das bekannte Stück kam so daher, wie man es wohl am meisten mit Saxofonmusik verbindet: leicht, beschwingt, fröhlich, zärtlich, romantisch, sexy. Natürlich verlangte nach dem grandiosen, rund einstündigen Auftritt das Publikum eine Zugabe und die gab es auch mit dem „Libertango“ von Astor Piazzolla aus dem Jahr 1973. Dass sich die Musiker nach ihrem Konzert dann auch noch beim ebenfalls legendären Matinee-Büfett der Chordamen von Cantus Wirena, dem die Musikschule angehört, „unters Volk“ mischten und viele Fragen beantworteten, machte sie nur noch sympathischer.